Das Phänomen der Wurst in Bärchenform?!


Verharmlosung, Verniedlichung, Ignoranz, Unwissenheit . . . 

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber jeden Tag beobachte ich Situationen, die diese Wörter in meine Gedanken rufen:
Menschen stehen an einer Imbissbude und essen lachend Bratwürstchen, Fleischereien werben mit Erzeugnissen aus glücklicher Haltung, im Schnellrestaurant werden tausende Buletten am Tag verkauft und im Supermarkt landet Fleisch in niedlicher Tierform im Einkaufswagen.

Dieser Umgang mit den Überresten toter Lebewesen steigert mein Gefühl der Abneigung, gegen das Essen von Tieren, täglich. 
Warum hinterfragt denn niemand, was dem eigenen Körper überhaupt zugeführt wird?
Der Spruch -Du bist, was du isst-, geht mir dabei immer wieder durch den Kopf !

Möchte man wirklich ein Stück totes Tier sein ?

Vor Kurzem las ich in den Medien von einer Forscherin, die sich mit dieser Thematik schon lange auseinander setzt. Ich war erleichtert, dass nicht nur ich mich frage, weshalb Menschen Unterschiede zwischen essbaren Lebewesen und nicht essbaren Lebewesen machen. Und warum das Essen von Lebewesen als normal gilt.

Karnismus - ein Erbe der kulturellen Historie

Karnismus, der Begriff der ausschlaggebend durch diese amerikanische Psychologin Prof.Dr. Melanie Joy geprägt wurde, umfasst diese Ideologien und Überzeugungen. 
Warum isst der Mensch dieses und jenes Lebewesen, aber manches bekommt den Status eines Familienmitgliedes. In dem System des Karnismus werden diese Strukturen der Wertung nicht hinterfragt. 
In Ihrem Buch "Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen", welches ich leider noch nicht gelesen habe, soll sie thematisch einen Einblick gewähren (Sobald ich dieses Buch gelesen habe, werde ich euch gerne darüber berichten).
Trotz der Entscheidungsfreiheit ein Tier nicht zu essen, da dies rein physiologisch nicht nötig ist, wird diese Wahl nicht wahrgenommen.
Es macht mich wirklich traurig, dass Fleischessen als wahllos betrachtet wird, während der Verzicht auf Fleisch mit Gründen z.B. aus moralischer Sicht, verbunden ist.

Ist es also keine Entscheidung ein Lebewesen töten zu lassen, um es zu essen ? 




Ein System wie der Karnismus wird als Selbstverständlichkeit in der Gesellschaft angesehen und jegliche andere Entscheidungen erst einmal als befremdlich betrachtet. Dabei werden Ausbeutung, Gewalt und Respektlosigkeit verharmlost oder einfach übersehen.



Das Bild, welches mir hierzu immer wieder in den Kopf kommt, ist das Kind, dass im Supermarkt unbedingt die Wurst in Bärchenform haben möchte, weil diese so niedlich ausschaut.
Würde es die Wurst immer noch essen wollen, wenn es wüsste, dass ein Lebewesen, welches von Geburt an nur Angst und Schmerz kannte und nie das Gefühl von Zuneigung bekommen hat, dafür gestorben ist?
Wahrscheinlich wird dieses Kind sich nie fragen, was Fleisch wirklich bedeutet. Die Gesellschaft lebt diese Normalität im Umgang mit Tieren vor und die Industrie verniedlicht den Tod durch Verniedlichung als Bärchen.

Auch mir wäre es vielleicht nicht anders ergangen, hätte ich nicht das Glück gehabt das System der Tierindustrie selbst zu erleben !
Als Kind war ich täglich auf dem Hof meiner Großeltern und half dort mit großer Freude im Stall mit. Schnell merkte ich, dass die Tiere mich mochten, sich freuten wenn ich kam und es genossen, wenn ich sie streichelte. Vielleicht habt ihr diese Erfahrung auch machen können? 
Kurze Zeit später bekam jede Kuh und jedes Huhn einen Namen. 

Wie hätte ich da noch Betty, Caramella oder Edelweiß essen können ?

An dem Tag an dem mir dies bewusst wurde, entschied ich mich, respektvoll mit jedem Lebewesen umzugehen und dessen Gefühle und Lebensbedürfnisse, soweit es mir möglich ist, zu beachten und zu respektieren.
Nach 13 Jahren als Vegetarierin habe ich mich dann mit 22 Jahren entschieden mich gänzlich gegen Gewalt an Tieren einzusetzen und wurde zur Veganerin.

Einfaches Leben - Übernahme von Überzeugungen ?

Die Unsichtbarkeit der Überzeugung Fleisch zu essen sei normal, ist schwer zu durchbrechen. Die meisten Menschen fühlen sich wohl beim Verzehr von Tieren, die nach ihrem System als essbar gelten. Diese Kategorisierung beruht, meiner Meinung nach, auf der Vereinfachung des Lebens. Die Einteilung von Dingen in Kategorien ermöglichte es dem Menschen überhaupt erst soweit zu kommen. Ein Löwe gilt als gefährlich, Holz kann brennen, Vogelbeeren sind giftig und so weiter ...
Viele dieser Denkensweisen sind sehr wichtig, aber von einigen Vorstellungen in Kategorien haben wir uns ja bereits schon gelöst. 
Historisch gesehen hat die Zeit uns ja gezeigt, dass wir uns immer wieder verändern müssen um uns aktuellen Situationen anzupassen. Was uns heute für richtig erscheint kann uns morgen auch wieder falsch vorkommen.

Und wäre es nicht zeitgemäß der Umwelt, der Menschen und Tiere zu Liebe auf Fleisch und Tiererzeugnisse zu verzichten ?

Was denkt ihr darüber und welche Erfahrungen habt ihr diesbezüglich gemacht? 

Ich bin auf eure Meinungen sehr gespannt :-D

Bis bald ...
eure Verena

P.S. das Bild mit der Wurst zeigt übrigens einen veganen Aufschnitt aus Rapsöl und Gemüse :-D 



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Siehe:

"Karnismus-Forscherin Joy: Bio-Fleisch ist ein Mythos", Interview geführt von Felix Brumm für das Magazin "enorm-Wirtschaft für den Menschen",
veröffentlicht auf Spiegel-Online:
Stand: 03.11.13

"Karnismus", von Prof. Dr. Melanie Joy (Übersetzer Jeff Mannes),
veröffentlicht auf vebu.de:
Stand: 03.11.13






Kommentare:

schödie hat gesagt…

heyy, du hast völlig recht!!! viel zu viele menschen machen sich um sehr viele dinge ABSOLUT GAR KEINE gedanken.. das ist schlimm... ich hab vergleichsweise spät angefangen mich mit dem thema zu beschäftigen und bin jetzt seit über einem jahr vegetarierin - und sehr froh damit! liebe grüße!

Verena Becker hat gesagt…

Freut mich, dass du mir in dem Punkt zustimmst :-)
Leider lebt es sich wohl einfach einfacher, wenn man sich keine Gedanken darüber macht !
Ist doch toll, dass du dich noch dazu entschieden hast - besser spät als nie :-D
Viele liebe Grüße